Dankbar für das Geschenk des Lebens

Für viele ältere Menschen ist der Mai ein besonderer Monat. Er ist so besonders, weil jedes Jahr im Mai die Erinnerungen an die Ereignisse von vor 65 Jahren wach werden – an den Großen Vaterländischen Krieg. Für viele Russlanddeutsche ist der 9. Mai ein Feiertag mit Tränen in den Augen und trotzdem einer der wichtigsten Feiertage. Viele von ihnen waren während der Kriegsjahre gezwungen, in Arbeitslagern zu arbeiten, andere konnten an der Front kämpfen. Für die junge Generation, die versteht, dass die Ereignisse jener Jahre immer weiter in die Vergangenheit rücken, sind Treffen mit denen, die sie unmittelbar erlebt hatten, besonders wertvoll. Der Jugendring der Russlanddeutschen bot den Jugendorganisationen der Russlanddeutschen im Vorfeld des Feiertages an, an Projekten teilzunehmen, die dem Kriegsende gewidmet sind, – am Diskussions- und Kinoklub „Leben um zu erinnern – erinnern um zu leben“ und an der Gratulationsaktion „Mein Volk und unser Sieg“.

Der Große Vaterländische Krieg veränderte das Leben vieler Menschen und ganzer Völker – auch der Russlanddeutschen. Die meisten von ihnen wurden aus der Armee zurückgezogen und durften nicht an der Front kämpfen. Diese Entscheidung wurde mit Erstaunen empfangen: Russlanddeutsche bzw. Sowjetdeutsche wollten ihre Heimat verteidigen. Auf den Beschluss des Präsidiums des Obersten Rates der UdSSR wurden Deutsche, die im Wolga-Gebiet lebten, nach Sibirien vertrieben und in Arbeitslager gebracht, die Republik der Woldadeutschen wurde aufgelöst.

Jedoch leisteten alle – die, die auf Werken und Fabriken arbeiteten genauso wie die, die es an die Front schafften, – durch unvorstellbare Mühe ihren Beitrag zum Sieg. Im Rahmen der Gratulationsaktion „Mein Volk und unser Sieg“, an der zehn Jugendorganisationen in neun Regionen Russlands teilnahmen, konnten junge Russlanddeutsche wahre Lebensgeschichten hören, Fragen an ehemalige Trudarmisten stellen und den Veteranen zum Feiertag gratulieren.

Viele junge Menschen haben die Veteranen bei ihnen zu Hause besucht, um ihnen zu gratulieren. Sie brachten Schokolade und Grußkarten mit, aber vor allem ihr Lächeln, aufrichtige Hilfsbereitschaft und, was genauso wichtig ist, den Wunsch zuzuhören. „Wir konnten ihnen nichts Großes schenken, nur Grußkarten und Schokolade. Aber wie wertvoll sind solche Treffen! Unsere Veteranen freuten sich ganz aufrichtig, dass man sie nicht vergisst. Und wir waren glücklich über die Gelegenheit Fragen zu stellen und Antwortend arauf zu bekommen“, berichtet Anfisa Sabitowa, Leiterin des JK Gesellschaftliche Organisation Zentrum der deutschen Kultur Wolgograd. „Die am häufigsten gestellte Frage war, ob sie sich genau an den 9. Mai 1945 erinnern können. Die Antwort war – natürlich. Und alle erzählten von diesem Tag, als ob er erst gestern gewesen wäre und nicht vor 65 Jahren.“

Junge Russlanddeutsche aus dem JK „Aquarelle“ (Bogorodizk) baten den Senioren ihre Hilfe an – einkaufen, Arzneimittel aus der Apotheke holen, Fenster putzen. Drei ehemalige Trudarmisten ließen sich sogar die Haare schneiden.

Andere Jugendklubs und Organisationen veranstalteten gemeinsame Abende, auf denen sie den Veteranen Geschenke überreichten. Gleichzeitig verlief auch die Diskussion im Rahmen einer anderen Aktion des JdR, nämlich des Diskussionsklubs „Leben um zu erinnern – erinnern um zu leben“. So heißt auch ein Dokumentarfilm, der während des gleichnamigen internationalen Jugendprojektes gedreht worden war und vom dem Ende des Zweiten Weltkrieges handelt. Das Projekt fand im Sommer 2005 in Berlin, Prag, Moskau und Tomsk statt. Auch in der Stadt Tomsk, die unmittelbar am Projekt beteiligt war, durfte der Diskussions- und Kinoklub nicht fehlen. Die Tomsker Jugendvereinigung der Russlanddeutschen „Jugendblick“ veranstaltete gemeinsam mit den Studenten des Philosophie-Institutes der Staatlichen Universität Tomsk eine Filmvorführung mit anschließender Diskussion. Der Leiter und Teilnehmer des Projektes Andrej Kreismann erzählte den Gästen die Entstehungsgeschichte des Filmes.

In Balakowo organisierten die Mitglieder der Jugendorganisation „Phönix XXI“ gemeinsam mit dem Verband der Heimatfreunde einen Literatur- und Musikabend, ebenfalls mit Filmvorführung.

„Der Film „Leben um zu erinnern – erinnern um zu leben“ hat uns in unserer Überzeugung gestärkt: Wichtig ist, dass junge Menschen über die Ereignisse der Vergangenheit erfahren möchten und dass sie sich mit der Geschichte befassen. Vor allem die Veteranen helfen ihnen dabei“, sagte Schanna Filippowa, Leiterin des Jugendklubs „Deutsche Junioren“, Sajanogorsk, nach der feierlichen Veranstaltung.

Die Teilnehmer der Aktionen bestimmten selbst, wann und in welcher Form sie stattfinden sollten. Und so dürfen sich russlanddeutsche Veteranen und Trudarmisten den ganzen Monat über unerwartete Besucher freuen, mit denen sie ihre Erinnerungen teilen können. Das Interesse junger Menschen für die Vergangenheit verschwindet nicht, sie beschäftigen sich immer häufiger damit. Die Aktion brachte sogar neue Ideen mit: „Wir wollen aus den Geschichten, die wir gehört haben, ein elektronisches Album zusammenstellen. Es soll in unserem Zentrum aufbewahrt werden“, erzählen die Mitglieder des Jugendklubs „Quelle“ (Kulunda, Region Altaj). Im Nationalkreis Asowo wollen junge Russlanddeutsche nach der Gratulationsaktion, dem Radrennen „GeschICHte sowie dem Projekt „Unser Beitrag zum Sieg“ ein Fotoalbum über die Trudarmisten des deutschen Nationalkreises Asowo der Region Omsk zu veröffentlichen, dessen Präsentation im August erfolgen soll.

Die Jahre des Krieges haben alle im Land vereint, unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Alter. Heute verbinden die Erinnerungen, die Veteranen und Trudarmisten mit jungen Russlanddeutschen teilen, zwei Generationen. Und eine davon ist unbeschreiblich dankbar für das Leben, das ihr vor 65 Jahren geschenkt wurde.

Berichte der Organisationen können hier eingesehen werden:

Elena Danilejko

Initiative ist das Wichtigste

Das Erhalten und Popularisieren der russlanddeutschen Geschichte, Kultur und der Traditionen, das Erlernen der deutschen Sprache und die Arbeit mit den Jugendlichen – während der dreißigjährigen Geschichte des Jugendringes der Russlanddeutschen wurden diese und weitere Tätigkeitsbereiche der Organisation beträchtlich ausgebaut. Es ist an der Zeit, Erfahrungen auszutauschen. Mit genau diesem Ziel haben sich vom 30. April-5. Mai in Kemerowo mehr als 100 Leiter und Mitglieder der Jugendklubs und Organisationen der Russlanddeutschen zum 1. Festival der Jugendinitiativen des JdR versammelt.

Das 1. Festival der Jugendinitiativen wurde durch das deutsche Bundesministerium des Innern unterstützt. Partner des Projektes waren der Koordinierungsrat der gesellschaftlichen Organisationen der Deutschen im Gebiet Kemerowo, das Departement für Jugendpolitik und Sport des Gebietes Kemerowo sowie das Departement für Kultur und nationale Politik des Gebietes Kemerowo.

In ihrem Reisegepäck brachten die Festival-Teilnehmer unzählige erfolgreich umgesetzte Projekte und neue Ideen mit, die sie miteinander teilen wollten. Dank eines abwechslungsreichen Programms mit Workshops, Projekt-Präsentationen, kreativen Veranstaltungen konnte jeder sich selbst und seine Initiative den anderen vorstellen. Die Vorsitzende des Jugendringes der Russlanddeutschen Olga Hartmann hob in ihrer Ansprache an die Gäste hervor, eine Veranstaltung dieser Art finde zum ersten Mal statt, was besonders wertvoll sei. „Wir können mit Stolz sagen, dass jedes Jahr immer mehr neue Projekte umgesetzt werden. Dieses Festival ist eine Antwort auf unser gemeinsames Bedürfnis nicht nur zu lernen und neues Wissen zu erlangen, sondern eben Ideen und Projekte, die in verschiedenen Teilen unserer riesigen Heimat bereits verwirklicht wurden oder erst geplant sind, auszutauschen“, sagte sie.

An jedem Festivaltag konnten seine Teilnehmer ihre Tätigkeit präsentieren sowie Workshops in verschiedenen Bereichen organisieren und besuchen. Es wurden dabei solchen Themen wie der Einsatz von Spielmethoden bei der Arbeit mit jungen Russlanddeutschen, die Organisation von Sprachencamps, praktischer Gebrauch von Dialekten im Deutschunterricht, ethnische Identität, Geschichte der Russlanddeutschen, interkulturelle Kooperation sowie weitere Arbeitsbereiche behandelt. Das Besondere an diesem Festival war, dass sein Programm auf der Initiative junger engagierter Russlanddeutscher und auf deren erfolgreicher Erfahrung, die sie an andere weitergaben, basierte. Dies ist möglicherweise der Grund für die unvergleichliche Atmosphäre, von der alle fünf Festivaltage erfüllt waren und die man in den Berichten der Teilnehmer selbst spürt.

„Das Festival war für mich sehr wichtig und spannend. Zum einen, da ich in eine neue Rolle schlüpfen durfte, nämlich die der Leiterin des Workshops zum Thema deutscher Volkstanz. Zum anderen konnten wir auf der Versammlung des Komitees des JdR für Jugendarbeit weitere Schritte zur Entwicklung der Jugendinitiativen unternehmen“, berichtet Marina Scheremetjewa aus der Jugendorganisation „Phönix XXI“ (Balakowo).

„Mir hat gefallen, dass bei diesem Projekt viele neue Teilnehmer dabei waren, die seit weniger als einem Jahr im JdR sind. Das war eine Art Premiere für sie. Und die war aus meiner Sicht sehr erfolgreich, weil sich alle als talentiert, kreativ und positiv erwiesen. Auch das Organisatorenteam hat eine tolle Arbeit geleistet. Wir haben uns ohne Worte verstanden und uns gegenseitig unterstützt – wir waren ein gut eingespieltes Team“, erzählt Polina Bandurko, Jugendklub „Jungbrunnen“, Stawropol.

Diejenigen, die zum ersten Mal an einem JdR-Projekt teilnahmen, erhielten einen starken kreativen Impuls für ihre weitere Tätigkeit. „Ich bin zum ersten Mal dabei, und das ist für mich ein sehr starker Antrieb, um mich weiter zu entwickeln und in dieser Richtung zu arbeiten. Das Festival hat mich mit neuen Ideen und neuer Kraft aufgeladen. Da ich neu in der Bewegung bin, konnte ich hier andere Organisationen kennenlernen und erfahren, wie sie arbeiten. Ich bin mir ganz sicher, dass dieses Projekt bei mir eine gewisse Erfahrung hinterlässt, die ich aktiv in meiner Organisation umsetzen kann. Besonders viel Spaß und wertvolle Fertigkeiten haben mir die Workshops Deutscher Volkstanz und Musikbegleitung gebracht“, sagt Danil Tschajkin, Jugendvereinigung „Unite“, Barnaul.

Alle jungen Russlanddeutschen, die am Festival teilnahmen, berichten von seinen positiven Ergebnissen und hoffen auf eine Fortsetzung des Projektes. „Dieses Pilotprojekt des JdR hat allen Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, sich als Workshop-Leiter zu versuchen und die Tätigkeit ihrer Organisationen in den Regionen zu präsentieren. Dank eines abwechslungsreichen Programms und einer freundlichen Atmosphäre konnte jeder sich selbst verwirklichen, die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen kennenlernen und eine Beschäftigung nach seinem Geschmack finden. Ich denke, solche Veranstaltungen sollten regelmäßig stattfinden“, sagte Irina Warlamowa von der Jugendvereinigung „Unite“, Barnaul.

„Dieses Projekt ist sehr nützlich für alle Mitglieder der Organisationen der Russlanddeutschen und für die Komitees des JdR. Für mich war wichtig, was ich aus den Workshops verschiedener Organisationen mitnehmen konnte. Es ist toll, wenn wir eine Möglichkeit haben, neue Erfahrungen und Ideen für die Entwicklung unserer Organisationen zu sammeln. Und was kann wichtiger in unserer Bewegung sein als die Initiative der Jugend! Deshalb sollten solche Festivals der Jugendinitiativen meiner Meinung nach Tradition werden“, so Margarita Bauer, Jugendvereinigung „Jugendheim“, Ischewsk.

Die Region Kusbass hatte für ihre Gäste ebenfalls viele Überraschungen parat: Das Gesang- und Tanzensemble „Präludium“ und das Bühnentheater „Sonnenstadt“ begeisterten die Teilnehmer mit ihrer Eröffnungsvorführung sowie mit dem darauffolgenden Workshop. Interessant war auch die Bekanntschaft mit der Region selbst, schließlich leben im Gebiet Kemerowo viele Russlanddeutsche. Die Festival-Gäste bekamen die Gelegenheit, die vom Russlanddeutschen Michail Werner gegründete Kunstschule im Dorf Patscha des Jaschkinskij Rayons zu besuchen, deren Schüler dem Publikum verschiedene Musikstücke vorführten. Die JdR-Mitglieder schenkten den Gastgebern ihrerseits eigene Klavier- und Gitarrenstücke sowie den spontan umgedichteten Kanon „Viva la Patscha!“.

Unter anderem fand im Rahmen des Festivals die Berichts- und Wahlkonferenz des JdR statt, auf der eine neue Zusammensetzung des JdR-Rates festgelegt, Jahresberichte der Komitees vorgestellt sowie Zukunftspläne ausgearbeitet wurden.

Leider hat alles einmal ein Ende – und Abschied nehmen bedeutet auch die Bilanz aus dem 1. Festival der Jugendinitiativen ziehen. „Das gesamte Festival-Programm war auf der Initiative der jungen Teilnehmer aufgebaut und wir hoffen, dass es zu einer Startplattform für neue Projekte der Jugendklubs und Organisationen der Russlanddeutschen wird“, sagt Alexander Klimowskich, Projektleiter und Mietglied des JdR-Rates.

Vorbereitet von Alexander Waal, Kristina Frese, Elena Danilejko.

Kappensitzung in Bonn

Am Vorabend des berühmten Karnevals am Rhein fand vom 12. bis 14. Februar in der deutschen Stadt Bonn das VIII. Deutsch-Russische Jugendforum statt, an dem jeweils 20 Vertreter von Jugendorganisationen und Vereinigungen beider Länder teilnahmen. Die Deutsche Jugendvereinigung wurde auf dem Forum von deren Vorsitzender Olga Hartmann vertreten. Von deutscher Seite nahm an dem Forum der Vorsitzende unserer Partnerorganisation djo – Deutsche Jugend in Europa, Thomas Hoffmann, teil.

Das Deutsch-Russische Jugendforum wurde 2004 vom Nationalrat der Kinder- und Jugendverbände Russlands und vom Deutschen Bundesjugendring als eine Organisation gegründet, die sich die Förderung der Kontakte unter Jugendlichen zum Ziel gesetzt hat. Das Deutsch-Russische Jugendforum findet traditionell abwechselnd in Deutschland und in Russland statt. 2006 beteiligte sich die Deutsche Jugendvereinigung als Mitorganisator an dem in Moskau durchgeführten Forum. Im Jahr 2008 fand das Forum in Nowosibirsk unter aktiver Beteiligung einer Mitgliedsorganisation der Deutschen Jugendvereinigung, des Jugendclubs „Sibirischer Bär“ (Сибирский медведь) und von Julia Karich aus Abakan statt, die auf dem Forum ein Weiterbildungs-Praktikum im Rahmen des Programms der Deutschen Jugendvereinigung zum Austausch von Fachleuten im Bereich der Jugendarbeit absolvierte.

Das Ziel des VIII. Deutsch-Russischen Jugendforums in Bonn bestand in der Stärkung der Zusammenarbeit der Jugend beider Länder und in der Unterstützung der Suche nach neuen Partnern. Im Rahmen der Arbeitsgruppen „Jugendaustausch“ und „Interkultureller Dialog“ diskutierten die Teilnehmer allgemeine, sie interessierende Fragen im Bereich der Jugendzusammenarbeit.

Der Vorsitzende des Nationalrates Alexander Sokolow berichtete über die neuen Tendenzen der Entwicklung der deutsch-russischen Jugendzusammenarbeit. Im letzen Jahr, 2009, wurde die Arbeit des Deutsch-Russischen Jugendforums durch eine neue Veranstaltung bereichert – das Deutsch-Russische Jugendfestival, das 2009 mit Unterstützung der deutschen Organisation „Schreberjugend“ in Schwerin stattfand. Von russischer Seite beteiligte sich an dem Festival der Intendant des Tanztheaters „Lallen“, Arnold Reinik aus Perm als Regisseur. Zum Organisatorenteam der deutschen Seite gehörte Alexander Specht aus Solikamsk, der bei der Organisation „Schreberjugend” gerade ein Praktikum absolvierte. Das nächste Festival findet 2010 in der Stadt Uljanowsk parallel zum Internationalen Festival russlanddeutscher Kultur statt.

Alexander Sokolow berichtete unter anderem über die aktuellen Veränderungen der Herangehensweise der Russischen Föderation an internationale Beziehungen. So wurden in der letzten Zeit zwei neue Institutionen gegründet, die für die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit zuständig sein werden: zum einen der Russische Rat für internationale Angelegenheiten, der sich aus Vertretern der breiten Öffentlichkeit – unter anderem aus Mitgliedern der öffentlichen Jugendorganisationen – zusammensetzen wird, und zum anderen der Gortschakow-Fonds zur Förderung der öffentlichen Diplomatie, der sich unter anderem mit der Unterstützung der öffentlichen Projekte in der internationalen Arena befassen wird.

Die Herkunft der Teilnehmer des Deutsch-Russischen Jugendforums zeugt von einem wachsenden Interesse am kulturellen Austausch. Die Russische Föderation war durch folgende Organisationen vertreten: den Nationalrat der Kinder- und Jugendverbände, den nationalen Fonds zur Förderung der Jugend „Junge Führungskräfte“, die Abteilung zu Fragen der Jugendpolitik des Gebiets Uljanowsk, die Deutsche Jugendvereinigung, den Öffentlichen Rat des Zentralen Föderalen Kreises, den Don-Jugendverband, den Russischen Sportverein, das Informationsportal für Jugendliche ЮНПРЕСС, die Jugendorganisation „Jugendinstitut“ aus Rjasan, die Autonome Nichtkommerzielle Organisation “Jugendinformationsressource” und die Stiftung „Internationaler Jugendaustausch“. Vom hohen Niveau dieser Veranstaltung zeugte die Teilnahme der Vertreterin des Ministeriums für Sport, Tourismus und Jugendpolitik Olesja Iwannikowa und des Mitglieds der Föderalen Agentur für Jugend Michail Mamonow.

Von deutscher Seite nahmen an dem Forum die Vertreter des Bundesjugendrings, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der deutschen Jugendfeuerwehr (DJFW), der djo (Deutsche Jugend in Europa), der deutschen Sportjugend und anderer Organisationen teil.

Die Eröffnung des Forums fand im Gebäude des Funk- und Fernsehsenders „Deutsche Welle“ statt, wo die Teilnehmer unter anderem von dem Intendanten des Senders Erik Bettermann und dem Leiter der osteuropäischen Redaktion Ingo Mannteufel begrüßt wurden.

Die Teilnehmer des Forums hatten außerdem die Möglichkeit, den berühmten Karneval am Rhein mitzuerleben.

Zum Abschluss des Forums wurden konkrete Ideen und Vorschläge zur Entwicklung der deutsch-russischen Jugendzusammenarbeit und insbesondere zur Durchführung des nächsten Forums vorgetragen.

In diesem Artikel wurden folgende Quellen verwendet: http://youthrussia.ru/, http://dbjr.de/.

Computerspiele und Patriotismus

Am 15. Februar 2010 fand in der Staatsduma der Russischen Föderation ein Runder Tisch  zum Thema „Die Rolle der Bildungs- und Computerspielindustrie bei der Herausbildung der Werte und der patriotischen Erziehung der Jugendlichen“ statt. Das Mitglied der überregionalen öffentlichen Organisation „Deutsche Jugendvereinigung“ und Projektmanager des Büros der Deutschen Jugendvereinigung Alexander Klimowskich nahm an dieser Veranstaltung teil.

Ziel des „Runden Tisches” war ein höherer Stellenwert der Bildungs- und Computerspielindustrie bei der patriotischen Erziehung der Jugendlichen. Zum Organisator des Projekts wurde das für Jugendfragen zuständige Komitee der Staatsduma.

An der Arbeit des „Runden Tisches“ nahmen die folgenden Personen teil: Der Vorsitzende des Komitees der Staatsduma für Jugendfragen Pawel Tarakanow, die Stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Föderalen Versammlung der Russischen Föderation Swetlana Schurowa, der Präsident von “Nival Group” Sergej Orlowskij, der Geschäftsführer von “1C” Boris Nuraliew und der Rektor der Föderalen Staatlichen Bildungseinrichtung für ergänzende berufliche Bildung „Staatliche Innovationsakademie“ Aleksej Tschernyschew. An der Arbeit des Runden Tisches beteiligten sich außerdem Abgeordnete der Staatsduma, Vertreter der für Jugendpolitik und PR zuständigen Abteilung des Ministeriums für Sport, Tourismus und Jugendpolitik, des Ministeriums für Kommunikation und Massenmedien der Russischen Föderation, des Finanzministeriums der Russischen Föderation, des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation sowie Vertreter verschiedener Jugendvereinigungen der Russischen Föderation.

Als Ergebnis des „Runden Tisches“ wurden Empfehlungen zur grundlegenden Richtung einer Unterstützung und Entwicklung der Spieleindustrie in Russland als einer für die Bevölkerung des Landes neuen Medienart und einer der sich aktiv entwickelnden innovativen Wirtschaftsbranchen Russlands verabschiedet.

Nach Materialien der Webseite www.molgvardia.ru

„Wir sprechen eine Sprache“

Vom 3. bis 8. Dezember 2009 wurde in der estnischen Stadt Tallinn von der überregionalen öffentlichen Organisation „Deutsche Jugendvereinigung“ und ihrem ausländischen Partner, der Jugendvereinigung „SiiN-ЗдесЬ“, die die russischsprachige Jugend in Estland vertritt, das Projekt „Jugend nationaler Minderheiten in einer multikulturellen Gesellschaft: Wege zur Optimierung des interkulturellen Dialogs“ realisiert. Das als Training gestaltete Seminar lief im Rahmen des Wettbewerbs „Wir sprechen eine Sprache“ für gemeinsame Projekte der Teilnehmerländer der GUS und des näheren und ferneren Auslands. Organisatoren des Wettbewerbs waren das Ministerium für Sport, Tourismus und Jugendpolitik der Russischen Föderation, der Nationalrat der Kinder- und Jugendverbände, die Stiftung „Russische Welt“ (Русский мир) und die Stiftung zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit. Das Projekt wurde ebenfalls vom deutschen Innenministerium unterstützt. Am Projekt nahmen sowohl Jugendliche aus verschiedenen Städten Russlands (Moskau, Perm, Stawropol, Twer, Tula) als Vertreter der regionalen Jugendorganisationen der Russlanddeutschen als auch die russischsprachige Jugend aus Estland teil.

Den Schwerpunkt des Programms bildeten Trainings zur ethnischen Identität und Kultur, zu Werten und Vorurteilen sowie zu nationalen Minderheiten, die von der hoch qualifizierten Ethnopsychologin Marina Tschibissowa geleitet wurden.

Jeder Tag war einzigartig und unvergesslich. Die Jugendlichen nahmen an Trainings teil, bei denen es um Begriffe wie Nation, Volk, Volkstümlichkeit, nationale Minderheit, nationale Identität und interkultureller Dialog ging. In einer entspannten Atmosphäre und im Rahmen eines als spannendes Spiel gestalteten Unterrichts konnten die Jugendlichen lernen, miteinander sprechen, ihren Standpunkt vertreten, sich mit Interesse an Diskussionen beteiligen und ihre Fragen stellen. Jeder war bemüht, sich selbst zu verstehen und seine eigene nationale Identität sowie die Notwendigkeit eines toleranten Umgangs zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zu definieren.

Alle Projektteilnehmer, sowohl aus Russland als auch aus Estland, waren daran interessiert,  voneinander zu lernen und mehr über die Kultur und die Sprache des anderen zu erfahren sowie die Besonderheiten des Lebens in dem jeweils anderen Land, seine Traditionen und Regeln kennen zu lernen. Die Jugendlichen aus Russland erkundigten sich bei den in Estland lebenden russischen Jugendlichen, wie ihre Beziehung zu den Estländern sei, ob sie sich an russische Traditionen und Feiertage halten und ob sie sich selbst eher als Russen oder als Estländer wahrnehmen.

Nach einem vollen Arbeitstag mit den Trainings von Marina Tschibissowa „Arbeitstag“ verbrachten alle Teilnehmer die langen estnischen Abende in einer lockeren, freundschaftlichen und anregenden Atmosphäre. Jeder Tag verlief anders und hatte seine Besonderheit. Zu einer solchen besonderen Veranstaltung wurde z. B. der „multikulturelle Abend“, an dem die Gäste aus Russland und Estland kreative Darbietungen aufführten, die die Besonderheiten und Traditionen des eigenen Landes und des eigenen Volkes repräsentierten. So führten Jugendliche aus Russland als Vertreter der Russlanddeutschen mehrere kreative Stücke auf (sie brachten den Zuschauern deutsche Volkstänze bei, sangen Lieder in deutscher Sprache, zeigten mehrere Spiele). Ziel des Auftritts war das Vermitteln der deutschen Volkskultur, der Folklore und der Traditionen. Die Teilnehmer aus Estland zeigten ihrerseits Stücke, die den Zuschauern die Kultur der estnischen Völker näher brachten.

Eine Woche des engen und kameradschaftlichen Umgangs trug natürlich zu einem vertrauten Verhältnis der Jugendlichen untereinander bei. Zu einem für die russischen Gäste unvergesslichen Erlebnis wurde der Besuch der bezaubernden mittelalterlichen estnischen Hauptstadt Tallinn, die den Charme der Kultur, der Architektur und der Geschichte in sich birgt. Zum Abschluss des Projekts veranstalteten die Jugendlichen aus Estland für ihre russischen Gäste eine Exkursion durch diese Stadt.

Nach Abschluss des Projekts kann man mit Sicherheit sagen, dass die jungen Teilnehmer unabhängig von ihrer nationalen Identität nicht nur viel Neues und Interessantes über die Eigenidentität, über die Probleme der nationalen Minderheiten in anderen Ländern und über den kulturellen Dialog erfahren haben, sondern auch eine Basis für den weiteren Kontakt mit der Partnerorganisation geschaffen haben. Alle Teilnehmer des Projekts hatten Spaß am Umgang miteinander und freuten sich über die neuen Bekanntschaften. Trotz der Individualität eines jeden von uns und trotz unserer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen nationalen Minderheiten verstehen wir uns, denn wir sprechen eine Sprache.

In Moskau fand das IX Forum der deutschen Jugend Russlands statt

Arbeit für die Zukunft

In Moskau fand das .IX Forum der deutschen Jugend Russlands statt. 

Ende November versammelten sich in Moskau die aus ganz Russland stammenden Aktivisten der deutschen Jugendclubs und –Organisationen – Mitglieder der Deutschen Jugendvereinigung. Das bereits IX. Forum der deutschen Jugend Russlands, das jährlich veranstaltet wird, wurde von der Deutschen Jugendvereinigung mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für regionale Entwicklung der Russischen Föderation und des deutschen Innenministeriums ausgerichtet.

An die jungen Russlanddeutschen wandten sich die stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen Frank Willenberg, Abteilungsleiter beim Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im deutschen Innenministerium, und Alexander Schurawskij, Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen des russischen Ministeriums für regionale Entwicklung. Willenberg betonte, dass das deutsche Innenministerium mit den bei der Tätigkeit der Deutschen Jugendvereinigung zu verzeichnenden Erfolgen zufrieden ist und auch in Zukunft bereit ist, Unterstützung für diese Arbeit zu gewähren. Das russische Ministerium für regionale Entwicklung beurteilte die Arbeit der Deutschen Jugendvereinigung ebenfalls sehr positiv. „Wir unterstützen die Jugendbewegung und vertreten die Auffassung, dass junge Leute an Entscheidungen in Verwaltungsfragen herangezogen werden sollten. Die Russlanddeutschen sind Bürger der Russischen Föderation und wir sind bereit, sie bei der Herausbildung einer Jugendavantgarde zu unterstützen“, betonte Schurawskij.

Das IX. Forum der deutschen Jugend Russlands ist nicht nur eine Plattform für Kommunikation und Präsentation der jeweiligen Jugendvereinigung, sondern auch eine Möglichkeit, gemeinsam die Probleme unserer Gemeinschaft zu definieren und Lösungswege für sie zu bestimmen. Mit diesem Ziel arbeiteten während des zweitägigen Forums fünf Gruppen, die im Abschluss der Veranstaltung die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten. 

Es ist kein Geheimnis, dass die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit zwischen den Jugendorganisationen der Russlanddeutschen zu einer der wichtigsten Tätigkeiten der Deutschen Jugendvereinigung gehört. Die für diese Arbeitsrichtung zuständige Gruppe mit einem entsprechenden Namen analysierte nicht nur die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit, sondern unterbreitete außerdem ein Konzept für eine Internationale Konferenz „Die Jugend in Russland und in Deutschland – 8 Jahre Zusammenarbeit“. Auf einer solchen Konferenz könnten beide Seiten sozusagen ein Zwischenergebnis ihrer Tätigkeit konstatieren. Ein weiterer Vorschlag war das Projekt „Der Weg der Erinnerung“, bei dem die Jugendlichen aus Russland und Deutschland ihre Sichtweise der Geschichte und der Kultur der Russlanddeutschen darstellen, die jungen und älteren Familien der Russlanddeutschen in beiden Ländern vergleichen und zusammen das Theaterstück „Was nehme ich mit?“ aufführen könnten.

„Zur Zeit haben wir praktisch gar keine Strategie für eine Entwicklung der Kultur und der Kunst der Russlanddeutschen“, sagt Irina Heine, Leiterin der Arbeitsgruppe „Tätigkeit der Jugendorganisationen der Russlanddeutschen im kulturellen Bereich“. Auf diesem Gebiet gibt es eine Vielzahl von Problemen: Es fehlt eine Datenbank zu Arbeitsgruppen und kreativen Mitarbeitern, es wird unsystematisch gearbeitet und die tatsächlichen Bräuche und Traditionen der Russlanddeutschen werden oft verzerrt dargestellt. Unsere Gruppe wurde zu einer Art Fortsetzung der Zusammenkunft kreativer Mitarbeiter, die kürzlich in Uljanowsk stattgefunden hat, und versuchte ihr „Jugendkonzept“ auszuarbeiten. Das Ergebnis war ein Vorschlag zur Gründung eines Komitees der Deutschen Jugendvereinigung für Kunst und Kultur, der hoffentlich Unterstützung findet. 

Die Jugendarbeit und Methoden ihrer Aktivierung wurden auch von den Teilnehmern der Gruppe "Formen und Modelle der Jugendorganisationen der Russlanddeutschen" diskutiert. Die Teilnehmer unterbreiteten den Vorschlag, Geschäftsideen der jungen Russlanddeutschen zu fördern und das Komitee für Fundraising der Deutschen Jugendvereinigung zu „beleben“. Ein weiterer Vorschlag war die systematische Erfassung der Clubs und Organisationen der Deutschen Jugendvereinigung, um dazu genauere und besser strukturierte Informationen zu erhalten.

Die Zusammenarbeit der Jugendorganisationen der Russlanddeutschen mit den Begegnungszentren und anderen selbst organisierten war das Thema der Arbeitsgruppe mit demselben Namen, die versucht hat, die Vor- und Nachteile einer solchen Zusammenarbeit zu bestimmen. Im Ergebnis arbeiteten die Gruppenteilnehmer Empfehlungen für die Zusammenarbeit für Jugendclubs heraus.  

In den letzten Jahren setzt die Deutsche Jugendvereinigung den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die ethnische Identität der Russlanddeutschen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Thema einer der Arbeitsgruppen des Forums „Die Tätigkeit der Jugendorganisationen der Russlanddeutschen im Bereich der Entwicklung einer bürgerlichen und ethnischen Identität der jungen Russlanddeutschen“ hieß. Die Gruppenteilnehmer legten die Aufgaben der Deutschen Jugendvereinigung zur Schaffung von Bedingungen für die Herausbildung einer bürgerlichen und ethnischen Identität fest, und gaben der Deutschen Jugendvereinigung Empfehlungen, einige Projekte zu unterstützen, die diesen Prozess fördern könnten.

Die Arbeit jeder Gruppe ist für die Deutsche Jugendvereinigung von großer Bedeutung und wird zweifellos ihren Beitrag dazu leisten, eine gemeinsame Strategie für die Tätigkeit der Deutschen Jugendvereinigung in den nächsten Jahren auszuarbeiten.

     

Die Fotoausstellung „Russland und Deutschland – zwei Heimatländer eines Volkes“ gibt es auch in Deiner Region

Welche Bedeutung hat das Wort „Heimat“ für junge Russlanddeutsche? Wo liegt die Zukunft dieses Volkes – in Russland oder in Deutschland? Was vereint junge Menschen, die eine Grenze trennt?

Nach Antworten auf diese alles andere als leichten Fragen suchten die Teilnehmer des Projekts „Russland und Deutschland – zwei Heimatländer eines Volkes“. Junge Russlanddeutsche, die in Russland und Deutschland leben, schauten sich diese beiden Länder durch das Objektiv eines Fotoapparates an.

Das Projekt gliederte sich in zwei Teile. Zuerst trafen sich die Teilnehmer im November 2008 in Moskau, dann im April 2009 in Düsseldorf. Beide Treffen verliefen in Form von Kursen, Diskussionen und Reisen. Neben Fotos und Eindrücken gehörten zu den Ergebnissen des Projekts auch die miteinander geteilten Überlegungen und Schlussfolgerungen der Jugendlichen. Sowohl für die russischen als auch für die deutschen Teilnehmer brachte das Projekt viele neue Entdeckungen.

Die Ergebnisse des Projekts fassten sie z. B. wie folgt zusammen: – Dieses Projekt hat mir geholfen zu verstehen, welchen Bezug ich zu dem Land habe, in das ich gekommen bin. – Ich konnte ein tieferes Verständnis für die Deutschen und ihre Kultur entwickeln. – Ich verspürte keine Euphorie darüber, dass in einem Land alles gut und im anderen alles schlecht ist.

Zu einer der wichtigsten Schlussfolgerungen, die die Projektteilnehmer machen konnten, gehörte die Erkenntnis, dass „die Heimat jedes Menschen in seinem Herzen ist, egal, wo er wohnt“.

All diese Überlegungen führten zur Gründung einer Fotoausstellung, die aus den Arbeiten der Jugendlichen besteht, die während des deutschen und russischen Teils des Projekts entstanden sind. Die Durchführung regionaler Fotoausstellungen wird durch das Ministerium für regionale Entwicklung der Russischen Föderation im Rahmen des Föderalen Zielprogramms “Wirtschaftlich-soziale und ethnokulturelle Entwicklung der Russlanddeutschen in den Jahren 2008-2012“ unterstützt. Organisatoren der Fotoausstellung sind die überregionale öffentliche Organisation „Deutsche Jugendvereinigung“ (Russland) und die „Jugend- und Studentenvereinigung der Deutschen aus Russland“ (Deutschland) mit Unterstützung des deutschen Außenministeriums (über das Deutsche Goethe-Kulturzentrum) und des deutschen Innenministeriums (über die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit). 

So haben jetzt fünf Regionen Russlands die Ehre, die Ergebnisse einer fast einjährigen Arbeit vorstellen zu dürfen. Die besagte Fotoausstellung fand bereits in Ischewsk und im Tomsker Gebiet in Koschewnikowo statt. Die Anzahl der Besucher der Ausstellung zeugt davon, dass das Thema Russland und Deutschland nicht nur die enge Zielgruppe, sondern auch alle anderen Bürger Russlands interessiert und bewegt. Allein die zahlreichen Fragen, Kommentare und Überlegungen, die nach dem Besuch der Ausstellung gekommen sind! In der Form eines Runden Tisches gab es für Interessierte die Möglichkeit, das Gesehene zu besprechen und ihre Meinung dazu zu äußern.

Allerdings sind noch nicht alle Fotoausstellungen eröffnet. Auf ihre „Sternstunde“ warten noch Fotos in Syktykwar, Astrachan und Nowosibirsk. Die Ausstellung in der sibirischen Region beginnt bereits in einigen Tagen. Der Ural ist als nächstes dran und den Abschluss der Staffel bildet das Wolgagebiet. 

   

Wenn Sie es noch nicht geschafft haben, sich die Arbeiten anzuschauen, die von Russlanddeutschen und für Russlanddeutsche gemacht wurden, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die Fotoausstellung „Russland und Deutschland – zwei Heimatländer eines Volkes“ dazu einlädt, beide Seiten mit den Augen sowohl der jungen Deutschen zu sehen, die hier in Russland geblieben sind als auch derjenigen, die in das vereinte Deutschland ausreisten. Dabei ergibt sich ein kritischer und verliebter Blick zugleich. Die Fotoarbeiten sind sowohl unter ästhetischen Gesichtspunkten als auch als objektive (denn alles wurde ja durch ein unparteiisches oder beinahe unparteiisches Fotoobjektiv aufgenommen)  Zeugnisse des modernen Lebens in beiden Ländern gelungen.

In zehn Tagen mehr über sich selbst erfahren

Für zehn Tage wurde das Ferienheim „Solnetschnyj“ bei Moskau zum echten deutsch-russischen Haus. Die Flurwände zierten Plakate mit deutschsprachigen Aufschriften und auf den Zimmern wurde Deutsch gesprochen. Am 19.-28. August fand hier das Internationale Jugendcamp für Russlanddeutsche unter dem Motto „Russlanddeutsche in den Zivilgesellschaften Russlands und Deutschlands“ statt. 

 

Russlanddeutsche als Volksgruppe existieren, solange es Menschen gibt, die in der eigenen Familie Deutsch sprechen, Volkslieder singen, Feste feiern und ihren Glauben bewahren. Aber es kann keine Zukunft geben ohne eine neue Generation, die mit den deutschen Traditionen heranwächst und sich als Teil der großen und multinationalen Gesellschaft unseres Landes betrachtet. Sich in der modernen Gesellschaft zurechtfinden und Neues über Kultur und Traditionen der Russlanddeutschen erfahren – das war die Botschaft der Veranstalter an die Teilnehmer des internationalen Camps. Und diese ist angekommen: Mehr als 100 Jugendliche aus ganz Russland sowie aus verschiedenen Städten Deutschlands lernten gemeinsam die deutsche Sprache, besuchten Seminare zur ethnischen Identität und Selbstorganisation der Russlanddeutschen und zur Erziehung junger Führungspersönlichkeiten.

 

„Dies ist ein gemeinsames deutsch-russisches Projekt, das durch das Ministerium für regionale Entwicklung der Russischen Föderation und das deutsche  Bundesministerium des Innern unterstützt wird“, erzählt Olga Hartmann, Vorsitzende des Jugendrings der Russlanddeutschen. „Die Einmaligkeit dieses Projektes besteht darin, dass nicht nur junge Russlanddeutsche aus Russland, sondern auch aus Deutschland daran teilnehmen. Die Idee entstand nicht von ungefähr. Viele Russlanddeutsche, die in ihre ursprüngliche Heimat ausgewandert sind, möchten Kontakte zu ihren Freunden in Russland weiter pflegen und die Kultur der russlanddeutschen Volksgruppe auch in Deutschland aufrechterhalten. Umgekehrt möchten viele Jugendliche in Russland in Kontakt mit ihren Landsleuten im Ausland bleiben. So profitiert schließlich  jeder von der Kommunikation im Rahmen dieses Camps“.

Russisch? Deutsch? Russlanddeutsch!

Das Thema der nationalen Identität wurde für die Campteilnehmer zu einem der wichtigsten. Die Seminare zur Identitätsförderung, in denen sich die Teilnehmer intensiv mit der Frage auseinandersetzten, wer sie nun eigentlich sind – Russlanddeutsche, Deutsche oder vielleicht doch Russen – waren für die jungen Menschen besonders spannend.

 

„Der Jugendring der Russlanddeutschen ist bereits seit einigen Jahren auf dem Gebiet der Stärkung des ethnischen Selbstbewusstseins junger Russlanddeutscher tätig“, sagt Marina Tschibisowa, Leiterin der Gruppe für ethnische Identität, Doktor der psychologischen Wissenschaften, Dozentin des Lehrstuhls für Ethnopsychologie der Moskauer Städtischen Universität für Psychologie und Pädagogik. „Und ich sehe mit großer Freude, dass sich diese Arbeit sehr lohnt. Jugendliche, die an ethnokulturellen Projekten des JdR, wie z.B. deutsche nationale Dörfer, teilgenommen haben, legen ein deutlich stärkeres ethnisches Selbstbewusstsein an den Tag als andere. So haben sie, als sie gebeten wurden, Symbole der Russlanddeutschen zu zeichnen, nicht wie andere Teilnehmer Bier, deutsche Flagge oder Würstchen dargestellt, sondern die Bibel, nationale Gerichte und Elemente der volkstümlichen Kleidung“.

 

Es genügt nicht, die deutsche Sprache zu beherrschen oder einen deutschen Namen zu haben, um sich einen Russlanddeutschen nennen zu können. Man muss sich dazu bekennen. Das nationale Selbstbewusstsein wird einem nicht in die Wiege gelegt, es können Jahre vergehen, bis man „den Ruf des Blutes“ hört. So passierte es mit einer Teilnehmerin des Jugendcamps – vor kurzem tauschte sie ihren russischen Nachnamen gegen einen deutschen.

„Noch vor sieben Jahren war die Bewegung der Russlanddeutschen nur ein Hobby für mich – heute ist es mein Leben“, sagt Inna Garder (Kaechtina) aus Kislowodsk. „Bis zur Teilnahme an einem Sprachcamp 2002 habe ich mich weder für die deutsche Sprache noch für die Traditionen der Russlanddeutschen interessiert, nicht einmal dafür, warum meine Vorfahren einen deutschen Namen tragen. Dann hat sich alles geändert. Ich begann zu erkennen, dass mich das alles wirklich interessiert und dass es mir gut tut, einen deutschen Namen zu tragen. Ich war damals 14, wegen bürokratischer Probleme musste ich noch vier Jahre warten, bis ich volljährig wurde und meinen Namen gegen einen deutschen tauschen konnte. Vor einem Monat ist mein Traum endlich in Erfüllung gegangen – jetzt heiße ich Garder“.

 

Statt Altersgruppen – Projektgruppen

 

In diesem Jugendcamp gab es keine Altersgruppen, dafür gab es Projektgruppen. Bereits am ersten Tag konnte jeder Teilnehmer entscheiden, was er abends nach dem Blockseminar machen wollte – Informationsarbeit, Kinoclubs, Vorbereitung thematischer Tage und Exkursionen, ethnokulturelle Veranstaltungen mit Einsatz der Volksmusik.

 

Neben der Ausarbeitung von Hilfsmaterialien für jeweilige Themenbereiche musste jede Projektgruppe jeweils eine „Prüfung“ ablegen, also eine Veranstaltung organisieren. So hat die für „ethnokulturelle Angelegenheiten“ zuständige „De-Party“-Gruppe einen ganzen Märchenabend durchgeführt. Dabei sollte jede Gruppe ein deutsches Märchen jeweils anders inszenieren – als Western, Seifenoper, Bollywood-Kino oder Krimi. Die Exkursionsgruppe hat eine unvergessliche thematische Führung durch Moskau organisiert und durchgeführt.

 

 

Mit einem deutschen Kinoabend hat auch der Kinoclub seinen Beitrag zum Erlernen der deutschen Sprache geleistet. Je nach dem Beherrschungsgrad konnten sich die Teilnehmer beispielsweise Zeichentrickfilme, „Der Himmel über Berlin“ oder „Der amerikanische Freund“ ansehen. Die Musikgruppe begeisterte immer wieder mit deutschsprachigen Liedern und unvergesslichen Auftritten, während die Gruppe für Informationsarbeit morgens die noch nicht ganz aufgewachten Campbewohner mit ihrer Fotopräsentation weckte.

 

Kommunikation ohne Ende

 

Die Teilnahme der Jugendlichen und Referenten aus Deutschland war eine große Freude für junge Menschen aus Russland. Im Deutschunterricht für Fortgeschrittene konnten die Teilnehmer über spannende Fragen diskutieren und von den deutschen Dozentinnen Rita Dorsch und Anna Henning viel Neues über das moderne Deutschland erfahren.

 

Aber auch für Jugendliche aus Deutschland war das Camp eine wichtige Erfahrung. „Ich bin Russlanddeutscher, meine Eltern kamen nach Deutschland, als ich noch ein Kind war“, erzählt Igor Christ aus Stuttgart. „Ich studiere Soziologie und Politologie, aber Russland behandeln wir im Studium so gut wie gar nicht, was sehr schade ist. Ich will nicht meine Wurzeln und die russische Sprache vergessen, deshalb habe ich mich für ein Praktikum bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland entschieden. Durch die Teilnahme an diesem internationalen Camp werde ich russische Jugendliche besser verstehen können, schließlich werde ich mit Aussiedlern arbeiten, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind und sich noch nicht eingelebt haben. Ich muss aber sagen, dass es für mich leichter ist, hier mit den russischen Jugendlichen zu kommunizieren, als mit den deutschen. Sind es vielleicht meine Gene?“

 

Zehn Tage im Non-Stop-Modus, jede Minute als kleine Offenbarung. Einige mögen sagen, dass so etwas nicht auszuhalten sei und dass das Gehirn wegen zu viel Informationen explodieren könnte. Doch das stimmt nicht. Die Teilnehmer selbst nennen diese Zeit „Zehn Tage, die das ganze Leben verändert haben“ – und das wird hoffentlich wahr sein.

 

Nationaldorf 2009

Astrachan, 20.-28. August

Ich bin überglücklich, dass sich mir die Möglichkeit geboten hat, zum ersten – und wie ich hoffe, nicht zum letzten – Mal in meinem Leben am „Nationaldorf“ teilzunehmen. Überwältigend! Anregend! Informativ! Aufschlussreich! Kameradschaftlich! Frohsinnig! Unvergesslich! So lässt sich die Stimmung beschreiben, mit der ich nach Perm zurückgekehrt bin. Für mich persönlich gehört das Nationaldorf zum wichtigsten Erlebnis des nunmehr leider bereits vergangenen Sommers.

Das erste, was mich positiv überrascht hat, war die einzigartige Form der Durchführung dieser Veranstaltung. Damit meine ich das ethnokulturelle Camping-Seminar und das Kajakfahren auf den Nebenflüssen der Wolga (Achtuba, Rytscha) – also das sprichwörtliche Verbinden des Angenehmen mit dem Nützlichen. Dass die Bedingungen sich als außergewöhnlich herausstellten bewirkte nur, dass das Gefühl des Abenteuers noch mehr entfacht wurde.

Nachdem wir am 20. August mit offenen Armen von Astrachan empfangen wurden, eröffnete sich uns am 21. August die unbeschreiblich schöne Landschaft des Wolgagebiets.

Unter der einfühlsamen Betreuung von erfahrenen Leitern lernten wir die Technik des Ruderns und die Regeln der Orientierung auf dem Wasser, und bereits einen Tag später legten wir Strecken von 10-15 km zurück.

Am Ufer entfaltete sich dann die eigentliche Idee, die 25 Aktivisten aus den verschiedensten Ecken unserer unermesslich weiten Heimat in Astrachan versammelt hat. Hierbei ist erwähnenswert, dass die Teilnahme der Vertreterinnen aus Polen, der Ukraine und Kasachstan dem Seminar einen internationalen Charakter verlieh.

Das Seminar verlief wie ein Rollenspiel. An sechs Tagen „durchlebten“ wir die gesamte Geschichte der Russlanddeutschen. Die Freizeit war minutiös durchgeplant: spannender, als Spiel gestalteter Deutschunterricht, interessante und zum Nachdenken anregende Trainings zur nationalen Identität, aufschlussreiche und wichtige Fakten aus der Geschichte der Russlanddeutschen im Geschichtsunterricht. Und natürlich gab es täglich die Abendveranstaltungen in kameradschaftlicher Atmosphäre am Lagerfeuer und mit Liedern zur Gitarre.

Dort, in dieser anderen Welt existierte für uns nichts weiter als das tiefe Eintauchen in die Geschichte der Russlanddeutschen, die gemeinsamen Interessen, das glasklare Flusswasser und die wunderschöne Landschaft um uns herum. Es gab nur noch unseren Weg, die Bewegung nach vorn und unser starkes Team, das die menschlichen Möglichkeiten in einer anderen Dimension des Lebens entfaltete…

Liebe Reiselustige des Jugendringes der Russlanddeutschen

In den letzten Jahren haben wir in Deutschland eine Menge an Wegen zurückgelegt, haben Städte und Flüsse besucht, und es ist in diesem Land kaum noch ein Ort zu finden, an dem nicht schon ein mutiger Jugendringler vorbeigekommen wäre. Dies ist für uns ein Grund, um unsere Erlebnisse in gedruckter Form zu verewigen.

Der Jugendring der Russlanddeutschen lädt Euch ein, am neuen Projekt „Deutschland aus Sicht der Russlanddeutschen“ teilzunehmen. Zusammen mit Euch planen wir ein Buch über Deutschland, seine Schönheit, Traditionen und Bräuche herauszugeben. Schickt uns Eure Geschichten und kuriosen Erlebnisberichte zu den folgenden Themen:
Kapitel 1 Unterwegs. Es geht um Wege nach Deutschland und durch Deutschland, um Fortbewegungsmittel und Reisen.
Kapitel 2 Übersetzungsschwierigkeiten. Über Sprache und Verständigung. Missverständliches Verhalten von Russen oder Deutschen, Kommunikation und interkulturelle Barrieren.
Kapitel 3 Jungsein. Wir erzählen von Jugendlichen in Deutschland und allem, was ungewöhnlich ist: Punks, Piercing, Uni-Radio. Und auch, wofür sich junge Leute in Deutschland interessierten: Subkulturen, Musik, Liebe und Sport.
Kapitel 4 Lernen. Studium und Praktika an deutschen Hochschulen. Wie wird studiert und gelernt, wie sehen die Prüfungen und wie die Studentenwohnheime aus?
Kapitel 5 Erholung. Camping, mit Flößen fahren, Felsenklettern, ins Museum gehen und alles, was deutsche Jugendliche in ihrer Freizeit tun. Freizeitgestaltung in Augenzeugenberichten.
Kapitel 6 Kulinarisches. Liebhaber und Hasser der deutschen Küche, schreibt uns! Essen in Deutschland: Restaurants, Bars, Imbisse oder Hausmannsküche.  Hier sammeln wir Erzählungen über die Zubereitung und die Einnahme von Nahrung.
Kapitel 7 Shopping! Supermärkte, Geschäfte, Einkäufe, ausgegebene Summen, neue Errungenschaften und Eure Gefühle dabei.
Kapitel 8 Feste feiern. Über frohe Tage: Feiertage. Weihnachten und Weihnachtsmärkte, weltliche und kirchliche Feste, Traditionen und Zeremonien, Geschenke und Glückwünsche.
Kapitel 9 Legenden und Mythen. Erwartungen und Träume, Realität und Wahrheit. Was für ein Deutschland würdet Ihr gern sehen und wie wird es Wirklichkeit?

Werdet einer der Buchautoren und erzählt allen von Euren Abenteuern!

Wir warten auf Eure Briefe unter jdr@jdr.ru mit dem Betreff „Für das Buch“.  Gebt den Namen des Kapitels, das Datum Eurer Reise/ Eures Austauschprogramms sowie den Ort an, an dem Ihr gewesen seid. Vergesst nicht, zur Illustrierung Eurer Erlebnisse auch Photos anzuhängen.

Natalja Blinowa, Vorstandsmitglied des Jugendringes der Russlanddeutschen
Ljudmila Chretschkowa, Projektmanagerin des Jugendringes der Russlanddeutschen

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